DemokratInnen setzen gemeinsam ein lautstarkes Zeichen und stellen sich dem faschistischen "3. Weg" in den Weg - Polizei geht gewaltsam gegen eine spontane Versammlung von DemokratInnen vor und verletzt GegendemonstrantInnen mit Reizgas und Kampfgriffen

Die von den Verfassungsschutzbehörden beobachtete Partei der "3. Weg" hatte eine Kundgebung und Demonstration in Hachenburg angemeldet. Als Aufhänger für ihre Hetze wählten sie den von der DITIB-Gemeinde Hachenburg geplanten Bau einesn Kultur- und Sozialzentrums mit angeschlossenem Gebetsraum.

Die Stadt Hachenburg und der Verein für Demokratie, Menschenrechte, Offenheit und Solidarität DEMOS e.V. veranstalteten gemeinsam am 20.10.2016 eine Gegenkundgebung auf dem Neumarkt in Hachenburg.

An der Gegenkundgebung nahmen für die Stadt der Präsident des Rheinland-Pfälzischen Landtages Hendrik Hering, Landrat Achim Schwickert, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hachenburg, Peter Klöckner, Dekan Fries für die christlichen Kirchen Hachenburgs und Herr Levent für die DITIB-Gemeinde Hachenburg teil. Für DEMOS e.V. sprachen Özden Karaagacli, Martin "Wanja" Klein und Siggi Hardiess.

DEMOS e.V. betonte, dass die Neofaschisten an diesem Tag krachend gegen die Wand laufen. Eine Wand gebaut aus Solidarität untereinander. "Zusammen sind wir stark, gemeinsam sind wir unschlagbar."

Die Bürgermeisterin von Köln, Henriette Reker, wurde von einem Sympathisanten des "3. Weg" fast ermordet, berichtete der Verein. Demselben "3. Weg", der an diesem Abend versuche, Hachenburg einzunehmen.

Frau Karagaacli sprach lebhaft und leidenschaftlich davon, wie ihre Eltern in Deutschland ankamen und sogleich integriert wurden.

Sie berichtete, wie ihre Familie einem hilflosen Betrunkenen beistehen wollte, der sich als Neonazi entpuppte, ihren Mann verletze und das Auto demolierte. Nachbarn verständigten die Polizei und eilten ihnen zur Hilfe. Für ihre Zivilcourage wurde die Familie Karagaacli ausgezeichnet.

Den "3. Weg" sprach Frau Karagaacli direkt an. Sie forderte die Nazis auf, den Holzweg zu verlassen und sich in die Gesellschaft zu integrieren.

Martin "Wanja" Klein sprach als nächster mit großer Sachkenntnis über die Geschichte Hachenburgs. Er erklärte, dass es nach der Machtübernahme der Nazis noch Menschen in Hachenburg gab, die sich weigerten, mit "Heil Hitler" zu grüßen und die versuchten, ihre Mitbürger zu schützen.

Das scheiterte jedoch daran, dass man nicht rechtzeitig zueinander fand und nicht gemeinsam gegen die Faschisten vorging. Das dürfe nie wieder passieren. Er endete seine Rede mit dem Appell, Hachenburg möge zusammenstehen und gemeinsam die Neofaschisten der Stadt verweisen.

Siggi Hardiess betonte, wie wichtig es sei, den Neonazis mit allen demokratischen Mitteln entgegenzutreten. Es gehe ihnen nicht darum, eine politische Diskussion zu führen, sondern sie wollten das gesellschaftliche Klima vergiften und der Gewalt den Weg bereiten.

Faschismus, so Herr Hardiess, sei keine Meinung sondern ein Verbrechen. Dies müsse man klarstellen.

Hier beendete DEMOS e.V. auch seinen Teil der Kundgebung.

Gemeinsam mit Bürgermeister Röttig wünschte DEMOS e.V. den DemokratInnen einen sicheren Heimweg.

Der Aufmarsch des "3. Weg" verzögerte sich, da die Neofaschisten den rechten Weg nicht fanden und im Stau standen.

Im Anschluss an die Versammlung begaben sich viele Demokratinnen spontan zum Alter Markt, um ihren Widerspruch in Hör- und Sichtweite der Neonazikundgebung zu tragen und sich den Neonazis in den Weg zu stellen. Dies führte dazu, dass die Hassreden der Menschenfeinde des "3. Weg" im Trillerpfeifen, in Buh-Rufen und Kirchenglockenkonzert unterging und es den Nazis nicht gelang, auf ihrer geplanten Route durch die Stadt zu marschieren. Hachenburg hat auch hier gezeigt, dass Nazis keinen Platz in unserer Gesellschaft haben und haben werden.

Während einer weiteren spontanen Gegenversammlung am Ort der Abschlussversammlung des "3. Weg" eskalierte die Lage. Uns liegen Augenzeugenberichte vor, nach denen uns das Verhalten der Polizei unverständlich bleibt. Wir bitten die Polizeibehörden, uns bei der Analyse des Vorfalls zu unterstützen.

Im Folgenden dokumentieren wir einen Augenzeugenbericht.

Die Abschlusskundgebung des 3. Weges fand auf dem Steinweg statt, und zwar auf der Kreuzung direkt neben der Seniorenresidenz.

Mit einem Polizeibus und einer Kette von Polizeibeamten war die Straße blockiert.

Vor dieser Polizeikette standen ca. 50-70 Bürger/Bürgerinnen. In der ersten Reihe Personen mit zwei großen Bannern. Mit Sprechchören, Trillerpfeifen und einem kleinen Megaphon wurde versucht, die Hassreden der Rechten zu übertönen.

Die Gruppe bestand etwa zur Hälfte aus Antifa-Leuten und zur Hälfte aus Personen der "bürgerlichen Mitte". Es war also auf keinen Fall eine linksradikale Gruppe.

Nach einer weile kamen weitere etwa 10 Polizisten aus Richtung Steinweg und wollten vor die Absperrung. Die Leute, die direkt an der Absperrung standen, haben das auf Grund des Krachs das allerdings nicht gleich mitbekommen.

Dann kamen auch schon Polizisten von hinten und zwängten sich durch die Menge.

Mindestens drei haben sich dann an der "Absperrung" umgedreht und ohne Vorwarnung Pfefferspray in die Gruppe gesprüht.

Es mussten daraufhin einige Bürger wegen Augenreizungen behandelt werden. Ein Notarzt kam später dazu.

Herr Bürgermeister Peter Klöckner war auch vor Ort." (gez.: Zeuge)