Andreas Schäfer und die "Nationalrabatte"

"[N]ationale Hilfe unter Kameraden ist Ehrensache!" Neueste Informationen legen nahe, dass der Hörgerätehändler Andreas Schäfer aus Hachenburg aus politischen Gründen seine Kunden unterschiedlich behandelt. Demnach erhalten bei ihm rechtsextremistische Gesinnungsgenossen eine Vorzugsbehandlung und „Nationalrabatt“.

Die vom renommierten Recherchemagazin Lotta in der Ausgabe 73 (Winter 2018/2019) genau bezeichneten Profile, namentlich "Andrej Pastuch" und "Oskars Kalpaks" (in verschiedenen Variationen) auf Facebook offenbaren ein geschlossen rechtsextremes Weltbild, strafrechtlich relevante Äußerungen und Kontakte zu hochrangigen Vertretern der AfD.

In der Zeitschrift Lotta schreibt Benno Storz: "Die AfD versucht nicht nur, den öffentlichen Diskurs Stück für Stück nach rechts zu verschieben. Ihr erklärtes Ziel ist es, parallel-gesellschaftliche Strukturen aufzubauen, um eine nachhaltige völkische Einflussnahme auf die Gesellschaft zu ermöglichen. Um dies zu erreichen, braucht es kapitalstarke Gönner, die sichere Arbeitsplätze, Wohnraum und weitere materielle wie ideelle Förderungen für ihre politischen Zöglinge bereit stellen. Die Idee dahinter ist simpel: Junge Kader der extremen Rechten können aufgebaut, gesteuert und exponiert werden, ohne Gefahr zu laufen, den Arbeitsplatz zu verlieren oder in eine finanzielle Schieflage zu geraten. Der Mentor hat die freie Entscheidung, inwiefern er oder sie in der Öffentlichkeit auftauchen möchte. [...]

Einer, der diese Konzeption besonders verinnerlicht zu haben scheint, ist Andreas Schäfer. Als gut situierter Bürger der Stadt Hachenburg im nördlichen Rheinland-Pfalz kann Schäfer bieten, was Schützling Justin Cedric Salka braucht, um sich auf den politischen Aktivismus zu konzentrieren. [...]

Andreas Schäfer ist mit seinem Kapital, seinem Einfluss und seinem Ansehen als Unternehmer im Westerwaldkreis ein zentraler Knotenpunkt für AfD-nahe Strukturen. Diese Schlüsselposition macht seine Bedeutung für die rechte Szene deutlich. Doch sein Konzept funktioniert nur so lange, wie er seine beiden Gesichter in der Öffentlichkeit trennen kann. Im Mai 2019 stehen die Kommunalwahlen in Rheinland-Pfalz an, für die auch Schäfer kandidieren könnte. Mit welchem der beiden Gesichter er sich dort präsentiert, wird sich zeigen."

Die Zeitschrift Lotta kann über die Website des Magazins http://www.lotta-magazin.de/ bezogen werden. 

DEMOS e:V. dokumentierte bereits 2017, dass Andreas Schäfer am Kyffhäuser-Treffen des inzwischen vom Verfassungsschutz zum Verdachtsfall erklärten „Flügel“ in der AfD teilgenommen hat. Die Geschichte dieser Dokumentation findet sich auf unserer Seite. Dies fügt sich in das Bild, das nach den neuen Informationen von Schäfer zu zeichnen wäre. Es erklärt auch, warum Justin Cedric Salka, dessen rechtsextremistische Agitation und Kontakte zu verfassungsfeindlichen Organisationen wir an anderer Stelle dokumentiert haben, nach eigener Aussage eine Lehre bei Andreas Schäfer absolviert.

Wir haben an dieser Stelle Screenshots von Facebook gesammelt, die, wenn die Informationen von Lotta zutreffen, von Andreas Schäfer verfasste Kommentare dokumentieren. Einige der von Benno Storz genannten Postings konnten wir bei unserer Recherche finden. Das Profil "Andrej Pastuch" wurde gelöscht, doch wir hatten wegen der offensichtlichen Bezüge zum Westerwald einige Postings gespeichert. Nun erweist sich dies als kluge Voraussicht.

Kalpaks/Pastuch und die Frauen

Das Bild stammt von dem in rechtsextremen Kreisen beliebten Fotografen Falk Hünberg, der den Stil von Leni Riefenstahl kopiert. Die Kommentare zu dem Bild sind durchaus typisch für den Facebook-Auftritt Hünbergs.

Kalpaks/Pastuch zitiert in diesem Kommentar die Rede Hitlers vor dem Frauenkongress in Nürnberg. "Gleichberechtigung" besteht demnach darin, die "von der Natur vorgegebene" Bestimmung zu erfüllen und Kinder zu gebären.

 

Nihad Yusufoglu

 

Alljährlich gedenkt Hachenburg seiner von Nazis ermordeten MitbürgerInnen. Während eines Gedenkspaziergangs zu den 42 in Hachenburg verlegten Stolpersteinen werden die Schicksale der MitbürgerInnen thematisiert und die Erinnerung wach gehalten. Der Gedenkspaziergang endet stets an der Gedenktafel für Nihad Yusufoglu, der 1992 von Neonazis ermordet wurde. Anders als Kalpaks/Pastuch es hier nahe legt, gibt es kein "gegen Justiz und Polizei pöbeln" (Poggenburg), sondern einen ruhigen Gang durch die Stadt.

Im Jahr 2018 hatte Justin Cedric Salka versucht, die Abschlußkundgebung an der Gedenktafel für Nihad Yusufoglu mit dem Ausbringen eines Banners zu stören. Dabei wurde er von der Antifa unterbrochen und verjagt.

  l'affaire Cinexx

Das Hachenburger Kino Cinexx entschloss sich, zum Holocaust-Gedenktag und dem 25-jährigen Jubiläum des Films Schindlers Liste, allen Mitgliedern der AfD den Eintrittspreis von 7 Euro zu erlassen. Aufgrund der starken Reaktion entschied sich das Kino später, überhaupt keinen Eintritt zu nehmen, sondern statt dessen um Spenden für Ärzte ohne Grenzen zu bitten.

Es wurden unsägliche Drohungen gegen die Betreiber des Kinos ausgesprochen. Ein Youtube-Propagandist namens Oliver Flesch verstieg sich sogar dazu, die Betreiber vor "Bomben" zu "warnen" und nannte die Betreiberin "Frau anderes-Wort-für-Vagina".

Der Film wurde in rechtsextremistischen Gruppen als Teil des "Schuldkult" bezeichnet, der eine Beleidigung für aufrechte Deutsche beinhalte. Teil des "Schuldkult"-Begriffs ist der Begriff der "Umerziehung" der Deutschen, mit dem auf die Aufklärung durch die Alliierten nach dem zweiten Weltkrieg Bezug genommen wird.

 

"Heldengedenken"

Anlässlich des Volkstrauertages 2017 traf sich die AfD Westerwald mit einigen Mitgliedern anderer Kreisverbände im Ort Norken im Westerwald. Der Ort wurde von der als kriminelle Vereinigung verbotenen Kameradschaft Westerwald für eben solche Aufzüge benutzt und ist daher symbolträchtig.

An dieser von der Jungen Alternative ausgerichteten Veranstaltung nahm nicht nur Andreas Schäfer mit Gattin teil, sondern auch Andreas Bleck (MdB) und natürlich Justin Cedric Salka, der im Vorstand der JA Rheinland-Pfalz sitzt.

Ein weiterer Teilnehmer war der ehemalige NPD-Kreisrat Christian Greb, der im Zuge der Ermittlungen gegen die hauptsächlich von NPD-Mitgliedern getragene Kameradschaft Westerwald aus der NPD austrat.

AfD-Mitglied Robert Leon Pawlik sagte in seiner Rede dort: "Auch wenn nun zum deutschen Volk angeblich alle hier im Land lebende Menschen gehören, müssen sich nur die Biodeutschen das Büßergewand anziehen. Wir als Deutsche, als Patrioten, setzen ein Zeichen gegen diesen Schuldkult."

Dazu passt der Kommentar Kalpaks/Pastuchs, der hier ein unter Völkischen sehr beliebtes Zitat aus der Edda anreißt:
„Besitz stirbt,
Sippen sterben,
Du selbst stirbst wie sie.
Eins weiß ich:
dass ewig lebt der Toten Tatenruhm.“

Menschenbild

Wie Kalpaks/Pastuch über Menschen der falschen - seiner Diktion nach - Rasse denkt, sei an den folgenden Screenshots dokumentiert.

Als "Passdeutsche" werden in rechtsextremistischen Kreisen Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit und Migrationshintergrund bezeichnet. Dem gegenüber stehen die (Robert Leon Pawlik, s.o.) "Biodeutschen", die "vier deutsche Großeltern" haben (Ariernachweis).

So liegt es denn auch nahe, dass Kalpaks/Pastuch im zweiten Bild nach der "Rasse" der Verdächtigen fragt.

Ramona Schneider-Karger ist eine Rechtsextremistin aus Haiger. Sie marschiert regelmässig bei Demonstrationen von Bekenntnis zu Deutschland (Pegida-Clon aus dem Westerwald, Initiator Torsten Frank), des III. Wegs und der NPD mit.

 

 

 

 

 

 

Die AfD Westerwald bezeichnet Seenotretter im Mittelmeer als "Schleuser" und empfiehlt der lybischen Küstenwache, sich ein Beispiel an der Rainbow Warrior zu nehmen. Das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior war 1985 von französischen Agenten versenkt worden, als es unterwegs zum Mururoa-Atoll war, um dort gegen französische Atomtests zu protestieren. Bei der Versenkung starb ein Mensch. Kalpaks/Pastuch fordert zu diesem Posting: "Torpedo los" und übertrifft damit die AfD Westerwald noch in Deutlichkeit und Gewaltphantasie.

Nicht weniger brutal und menschenverachtend ist der Kommentar Kalpaks/Pastuchs zu einem von der AfD Westerwald verlinkten Beitrag der Welt, dessen Titelbild ein mit männlichen Geflüchteten vermutlich afrikanischer Herkunft besetztes Boot zeigt. Kalpaks/Pastuch meint: "Aufm [sic] Sklavenmarkt bringt der Trupp ein hübsches Sümmchen..."

Als die AfD Westerwald einen Bericht des Focus teilt, in dem behauptet wird, 48% "der Türken" in Deutschland arbeiteten nicht, findet Kalpaks/Pastuch dafür die dem NS-Vokabular entnommenen Worte "Sozialschmarotzer und Volksschädlinge".

Recht drastisch kommentiert Kalpaks/Pastuch ein Bild, das von Marine Le Pen geteilt wurde. Das Bild zeigt zwei farbige Personen zusammen mit Emmanuel Macron. Der Kommentar Kalpas/Pastuchs: "die zwei Bimbos ziehen die Schlampe richtig durch...."

Ein Bild, das sämtliche im rechtsextremen Milieu gängigen Verschwörungsideologien zu einer einzigen verknüpft, kommentiert Kalpaks/Pastuch mit dem Schlachtruf "Widerstand", der in rechtsextremen Kreisen gerne skandiert wird. Oft wird dieser gefolgt von massiven Gewaltphantasien. So auch bei Kalpaks/Pastuch, der davon träumt auf "Merkelorks" zu schießen.

Verbindungen

Der Flügel der AfD

Der Flügel gilt als rechtsextreme Triebfeder der AfD. Unter der Ägide von Björn Höcke ist der Flügel maßgeblich an der Radikalisierung der AfD beteiligt.

Die Nähe Andreas Schäfers zum Flügel wurde 2017 in einem Gerichtsverfahren dokumentiert. Wir dokumentieren das Verfahren an anderer Stelle.

Der III. Weg

 Nachdem der offizielle Facebook-Auftritt der Partei Der III. Weg gelöscht wurde, war die Seite Wegweiser der Ersatz.

Kalpaks/Pastuch bekundet hier offen die Sympathie für diese Seite.

 

 Unter dem Rubrum Hui Wäller startete der III. Weg eine Reihe von fremdenfeindlichen und rassistischen Demonstrationen.

Kalpaks/Pastuch sympathisiert mit diesen Demonstrationen.

Identitäre Bewegung

Die Identitäre Bewegung wird in Deutschland als verfassungsfeindlich im Bericht des Verfassungsschutzes geführt. Ihre Aktivisten machen vor allem durch kurze, wenig wirksame Aktionen auf sich aufmerksam, die dann mit großer Geste in den sozialen Netzwerken verbreitet werden.

Seit 2018 wird jedoch auch die Identitäre Bewegung immer gewaltbereiter. Im Januar 2019 griff sie die Einweihungsfeier eines linken Projekts mit Pfefferspray an.

Andreas Schäfers Kontakte zur Identitären Bewegung sind offensichtlich durch seinen Angestellten Justin Cedric Salka. Dieser wird in dem Gutachten, in dem die Junge Alternative zum Verdachtsfall erklärt wird, zwei Mal erwähnt. Er nahm mehrfach an Demonstrationen und Aktionen der Identitären Bewegung teil. Seine Verbindungen sind an anderer Stelle dokumentiert.

Kalpaks/Pastuch kommentiert dieses Posting der Identitären Bewegung mit einem Ausruf, der als Parole der SA durch den § 86 StGB als Propagandamittel verfassungswidriger Organisationen verboten ist.

Der Ausruf wird auch hier als Kommentar verwandt.

Bei Dietmar Burow handelt es sich um ein Mitglied der AfD Westerwald.

In Schnellroda wohnt der selbsternannte rechtsextreme Vordenker Götz Kubitschek.

Ein drittes Mal verwendet Kalpaks/Pastuch die Parole unter einem Posting von Nicole Höchst.

Bekenntnis zu Deutschland (BzD)

BzD begann als Pegida-Clon unter dem damaligen AfD-Mitglied Torsten Frank. Franks Verbindungen in das Hooligan- und Rechtsrock-Milieu sind gut dokumentiert.

Kalpaks/Pastuch nahm offenbar auch an diesen rassistischen und verschwörungsideologischen Aufmärschen teil.

NS-Verherrlichung

Die Division Azul, der Kalpaks/Pastuch hier Ruhm und Ehre wünscht, war eine spanische Infanterie-Division im II.WK. Die Freiwilligen unterstanden als "Kampftruppe gegen den Bolschewismus" der deutschen Wehrmacht und kämpften an der Ostfront.
 Division Kurland. Kalpaks/Pastuch offenbart hier sein Wissen und teilt das Bild des Ärmelbandes der Division.
 Reinhard Heydrich  war SS-Obergruppenführer und General der Polizei, sowie Leiter des Reichssicherheitshauptamtes. Göring beauftragte ihn mit der Leitung der Wannsee-Konferenz, wo der Massenmord an der jüdischen Bevölkerung systematisch geplant wurde. Heydrich gilt als einer der NS-Hauptverbrecher wegen der Organisation des Holocaust. Kalpaks/Pastuch grüßt diesen Verbrecher an der Menschlichkeit mit "Ruhm und Ehre".

 Hans-Ulrich Rudel war nicht nur ein sehr hoch dekorierter Soldat der Luftwaffe, sondern machte nach dem zweiten Weltkrieg vor allem als Betreiber einer "Rattenlinie" und als Unterstützer und Beschützer von Nazis aller Couleur von sich reden. Zu seinen Schützlingen gehörte unter anderem Josef Mengele. Rudel blieb Zeit seines Lebens überzeugter Nazi und war an der Gründung der NSDAP-Nachfolgepartei SRP (verboten 1952) beteiligt.

Kalpaks/Pastuch bezeichnet Rudel als "Helden des deutschen Volkes" und berichtet, ein Autogramm von Rudel zu haben.

Sepp Dietrich wurde ohne jede militärische Vorkenntnisse allein wegen seiner bedingungslosen Hingabe zu Adolf Hitler als Kommandant der 1933 gegründeten SS-Division "Leibstandarte Adolf Hitler" von Hitler persönlich eingesetzt. Ihren ersten mörderischen Einsatz hatte sie bei der "Röhm-Putsch" genannten Säuberungsaktion 1934. Während des Krieges tat sich die "Leibstandarte" durch besonders grausame Massenmorde hervor. Dietrich blieb sein ganzes Leben lang ein überzeugter Nationalsozialist.

Für diesen Kriegsverbrecher hat Kalpaks/Pastuch ein "Ruhm und Ehre" übrig.

Kalpaks/Pastuch reagiert drastisch darauf, dass einem in Griechenland gefallenem Oberleutnant das Ritterkreuz abgenommen wurde.
 Als "Waldbrüder" wurden Partisaneneinheiten bezeichnet, die gegen die sowjetische Besetzung der Länder Estland, Lettland und Littauen kämpften. Die historische Aufarbeitung dieser Episode ist noch nicht abgeschlossen. Gesichert ist, dass diese Einheiten von Briten und US-Amerikanern unterstützt wurden, um die Sowjetunion zu schwächen. Die Einheiten schreckten auch vor Terrorismus nicht zurück.

Wir feiern nicht

 Kalpaks/Pastuch reagiert hier auf einen Beitrag von Ramona Schneider-Karger, in dem sie eine in rechtsradikalen Kreisen weit verbreitete Form der NS Relativierung propagiert. Die zivilen Opfer der alliierten Kriegshandlungen werden gleichgesetzt mit dem industrialisierten Völkermord der Nazis an den Jüdinnen und Juden.

Das Fort Breendonk

 Die Bilder stammen von einem Besuch der postenden Person im belgischen Fort Breendonk. Dieses wurde 1940 von der SS als "Auffanglager Breendonk" geführt.

Kalpaks/Pastuch zitiert hier das "Treuelied" der SS. Es war nach dem Deutschlandlied und dem Horst-Wessel-Lied das wichtigste im Liederbuch der SS. Der Titel "Wenn alle Brüder schweigen" wird ebenfalls für einen Bildband über die Waffen-SS verwendet.

Das Foto wurde von Facebook wegen des Hakenkreuzes gelöscht, das folgende ist aber zum aktuellen Zeitpunkt noch abrufbar.

 
Hier findet ihr unser handliches Kalpaks_Pastuch_Streisand_Kit mit allen Bildern und Bonusmaterial :)